Nachfolgend werden ausgewählte Ergebnisse des Projekts dargestellt. Die weiteren Details sowie Lösungsvorschläge werden im Rahmen einer Präsentation noch vorgestellt.

Die Befragung der Leistungsträger in Erding, also der Gastronomen, Hoteliers und Einzelhändler ergab ein Kräftefeld in Bezug auf das „Thermengästeproblem“ bzw. in Bezug auf die Entwicklung des Tourismus selbst in Erding. In diesem Feld werden hemmende und fördernde Kräfte dargestellt.

 

Hemmende Kräfte

Fördernde Kräfte

Allgemeine Kräfte

Es ist kein großer realer Leidensdruck vorhanden

Chance des Rucks, angesichts der WM 2006, der Thermenerweiterung und des geplanten Ringschlusses

Die Situation ist weiterhin verfahren, es gibt viele persönliche Aversionen, Streiterein und Akzeptanzprobleme.

Starkes Engagement einzelner

Die Organisation des Tourismus ist unübersichtlich

Es herrschen ständige Finanzierungs-probleme im Bereich Tourismus

Das Bewusstsein für den Tourismus

Das Potential/die Chancen werden noch zu kurzfristig und kurzsichtig gesehen

·          Der EZH hinkt in der Sicht auf die Potenziale hinterher

·          Erding wird allgemein kaum als Übernachtungsort z.B. für Thermengäste gesehen.

·          Die Bevölkerung steht ihm in Teilen auch uninteressiert gegenüber (ca. 40%) oder sogar leicht skeptisch.

Der Tourismus ist aber auch mit Ängsten verbunden

·          Die Leistungsträger haben Angst vor einem „All-Inklusive Effekt“

·          Die Bevölkerung fürchtet um die Lebensqualität ( ca. 31%) und steigende Lebenshaltungskosten.

Das touristische Grundpotential Erdings ist allgemein bekannt und wird akzeptiert.

·          75 % schätzen Erding als touristisch attraktiv ein, die Attraktivitätsfaktoren sind übereinstimmend bewusst und bekannt.

·          Das Potenzial des Tourismus wird allgemein erkannt

·          Positive Sicht auf allgemeine und spezielle (Thermenerweiterung) Entwicklung.

·          Die Verantwortlichen sehen bereits die Entwicklung hin zum Kurzurlaubsziel.

Gemeinschaft und Zusammenarbeit

In Hinsicht auf Zusammengehörigkeit und Zusammenarbeit gibt es zwischen dem System Erding und der Therme Erding starke Diskrepanzen.

·          Das System Stadt schätzt das Zusammen-gehörigkeitsgefühl als relativ gering ein im Gegensatz zur Therme.

·          Die Qualität der Zusammenarbeit wird von der Therme positiv gesehen, vom System Erding eher durchwachsen und problematisch.

Die Zusammenarbeit der Leistungsträger untereinander ist tendenziell nicht gemeinschaftlich.

·          Nur 13,3% glauben an eine gute Zusammenarbeit und sogar nur 8% der EZH.

·          Ingesamt glauben sogar ca. 32%, dass jeder für sich arbeitet!

 

Die Zusammenarbeit auf Verbands- bzw. öffentlicher Ebene wird als gut eingeschätzt

Die Zusammenarbeit mit der Therme ist im Ansatz vorhanden, denn 55% haben schon mit ihr zusammengearbeitet oder arbeiten mit ihr zusammen.

Ganzheitliche Situationseinschätzung und Veränderungsbereitschaft

Die Eigenmotivation, insbesondere der einzelnen Leistungsträger sich in der Veränderung zu engagieren ist gering, dies äußert sich auch in einer mangelnden Unterstützung der Partnerpakete.

Die Aufgaben einer Tourismusorganisation werden noch sehr konservativ gesehen.

·          Weitergehende Innenmarketingprodukte werden nicht unterstützt (Produktgestaltung, Vermittlung von touristischem Know-How)

·          Die klassischen Aufgaben wie Öffentlichkeitsarbeit  und Infodienst  werden unterstützt, weitergehende Angebote wie die Generierung von Paketangeboten werden abgelehnt.

Der Veränderungsbedarf ist allgemein erkannt, die Veränderung wird eingefordert und unterstützt.

·          Der ganzheitliche Veränderungsbedarf wird eingesehen und eingefordert. Die jetzige Situation wird z.B. als nicht ausreichend angesehen (Note 4,25) und mehr Zusammenarbeit wird gefordert (Note 1,63)

·          Eine professionelle Tourismusorganisation wird als wichtig angesehen. Eine Aussage mit dieser Forderung wurde mit der Note 1,72 bewertet.

  • Die Entwicklung einer neuen Maketingkonzeption kann auf offiziellen Rückhalt bauen.

Kräfte im Bereich Innen- und Außenmarketing

Der konkrete Informationsstand in Hinsicht auf Aktivitäten allgemein und speziell im Tourismusmarketing nach Innen- und Außen ist gering.

Der Stellenwert des Innenmarketings wird als hoch eingeschätzt

Die Bevölkerung ist in Hinsicht auf zukünftige Erfordernisse nicht sensibilisiert genug.

Erding verfügt über eine motivierte und gastfreundliche Bevölkerung

Im Rahmen der Arbeit wurde auch die Aufgabe gestellt zu zeigen welches Potential hinter den Thermengästen steht, bzw. zu ermitteln wie dieses Potential im Moment genutzt wird. Zusammenfassend kam man auf folgendes Ergebnis:

Die Thermengäste stellen für Erding im Moment zum Großteil vergeudetes Potential da.

Derzeit besuchen nach ihrem Thermenbesuch nur 31 % der Thermengäste die Innenstadt, zum Zeitpunkt einer vor 3 Jahren durchgeführten Untersuchung waren es noch 37,4 %. Es hat also sogar eine Verschlechterung der Situation eingesetzt, obwohl die Frequenz der Besuche sich leicht verbesserte.

Das Potenzial der Thermengäste ist groß, rund 2000 Gäste besuchen täglich die Therme Erding. Darunter sind jeden Tag geschätzte 454 Gäste (20,7 %) die Erding nur in Verbindung mit der Therme besuchen, die „Kombinierer“.

Dabei wird das „Produkt“ Erding tendenziell als gut bewertet, besonders Gastfreundschaft und die Atmosphäre der Innenstadt werden gelobt. Und von diesen Besuchern planen 92 % einen Wiederholungsbesuch.

Die Untersuchung ergab weiter, dass diese Gäste bei einem Innenstadtbesuch auch bereit sind Geld auszugeben. Pessimistisch gerechnet entwickeln sie ein tägliches Gesamtausgabenpotential von 2025 €. Wird diese Zahl auf ein Jahr umgerechnet kommt man auf den Betrag von 739.125 €, den diese Gäste ausgeben könnten, wenn man sie alle zu zumindest häufigen Besuchern macht.

Heute sind immer noch 49,1 % der Thermengäste nicht in Erding gewesen, weder unabhängig noch in Kombination. Aber das Interesse ist vorhanden, denn von diesen können es sich 69,9 % vorstellen einen solchen Besuch zu machen.

Nicht nur die derzeitige Situation zeigt das Potential der Gäste auf. Es muss auch in die nahe Zukunft geblickt werden. In den kommenden Jahren plant die Therme Erding ihre Erweiterung zum größten Erlebnisbad Europas. Schon heute können es sich 18 % der Thermenbesucher vorstellen auch in Erding zu übernachten, das stellt ein Potential von 131.400 Gästen pro Jahr da.

In diesem Zusammenhang ein Beispiel, dass das Potential an Gästen durch diese Erweiterung aufzeigt. Laut Therme ist durch ihre Erweiterung mit einer Zahl von 150 -200.000 zusätzlichen Saunagästen pro Jahr zu rechen. Geht man davon aus, dass von diesen sich nur ca. 2/3[1] einen Innenstadtbesuch vorstellen können, so ist mit einer Zahl von 100.000 zusätzlichen Innenstadtbesuchern allein unter diesen zu rechnen. Natürlich vorausgesetzt es werden entsprechende Schritte unternommen diese Gäste nach Erding zu locken.

Denn die Situation kann sich heute nicht schlechter darstellen. Wie vorher schon ausgeführt sinkt die Besuchsquote wieder. Rechnet man die steigende Frequenz ein so ist mit nicht mehr als einer Stagnation zu rechnen. Dies ist auch Sinnbild der Aktivitäten in den letzten Jahren und der Effektivität der Werbemittel gegenüber den Thermengästen.

Die Probleme sind klar und offensichtlich. Die Werbemittel in der Therme Bildschirm, Informationsbroschüren und Gästezeitung sind wenig bekannt. Keines dieser Tools schafft eine Bekanntheit über 18 % bei den Thermengästen. Am schlechtesten schneidet sogar das Prestigeprojekt „Informationsbroschüren“ mit ca. 9 % Bekanntheit ab. Dabei handelte es sich hier sogar um eine gestützte Befragung. Selbst die Leistungsträger beurteilen die Effektivität dieser Tools, wenn sie sie denn kennen als schlecht, die Informationsbroschüren erhalten dabei eine Note von 3,59.

Aber nicht nur die Vermarktung alleine ist verbesserungsbedürftig, auch die Organisation des Tourismus krankt. Die Leistungsträger und viele Verantwortliche üben Kritik an der mangelnden Zusammenarbeit untereinander, unterstützen den Fremdenverkehrsverein als einzige wirkliche Tourismusorganisation in Erding mehr schlecht als recht. Aber auch und insbesondere am Verhältnis mit der Therme ist zu arbeiten, so wird seitens des Systems Erding kaum von einem Zusammengehörigkeitsgefühl gesprochen und die Therme wünscht sich endlich einen einzigen Ansprechpartner mit einer gewissen Machtfülle und einem stimmigen Konzept.

Man sieht, es reicht nicht nur ein neues Vermarktungskonzept für die Thermengäste zu entwickeln, es ist auch notwendig an der Basis anzusetzen.

Dieses Ergebnis bestätigte die grundsätzliche Annahme dass ein Vermarktungskonzept in Richtung der Thermengäste nicht losgelöst von der Gesamtsituation erstellt werden kann. Es ist eine ganzheitliche Sichtweise notwendig.

Die Ideen zu dieser Problemstellung werden in der geplanten Präsentation vorgestellt werden.

An dieser Stelle auch nochmals meinen und unseren Dank an alle die dieses Projekt unterstützt haben und zu seinem Gelingen beigetragen haben.

Wir würden uns freuen Sie, auch die Betroffenen die leider nicht befragt werden konnten, aber auch alle weiteren interessierten Erdinger im November zur Präsentation begrüßen zu dürfen. Zeit und Ort dieser Veranstaltung werden noch bekannt gegeben.

Ihr Projektteam, der Fremdenverkehrsverein Erding, das Stadtmarketing Erding, der Interessensverein Ardeo, der Hotel-und Gaststättenverband Erding und natürlich der Diplomand Ludwig Schrögmeier.



[1] 68,8 % laut Pivot – Tabellen im Anhang